Livestream mit SPD-Landratskandidat Karsten Krug zur Gründung eines Landschaftspflegeverbands im Kreis Bergstraße.

Der Landschaftspflegeverband (LPV) steht quasi schon in den Startlöchern. Nachdem der Kreistag die Mittel für die Vorbereitung einer Gründung in den Haushalt 2021 aufgenommen hat, kann es im kommenden Jahr an die Umsetzung gehen. „Das wäre ein Meilenstein für den Kreis und unsere Biodiversität“, betont SPD-Landratskandidat Karsten Krug, der als Umweltdezernent die Gründung maßgeblich vorantrieb. Über Vorteile, Herausforderungen und Bedenken sprach er nun im Livestream mit verschiedenen Fachleuten.

Zugeschaltet waren:
Volker Knaup, Leiter des Lorscher Bau- und Umweltamtes und
Martin Schaarschmidt, Vorstandsmitglied bei den Streuobstwiesenrettern im Kreis sowie stellvertretender Geschäftsführer im Landschaftserhaltungsverband Rhein-Neckar.
Ebenfalls mit dabei:
der Lindenfelser Bürgermeister Michael Helbig,
Kreislandwirt Sebastian Glaser und
Simone Häfele, Schäferin aus Viernheim.

Krug wies auf seine vielen Gespräche hin, die er seit Anfang 2019 mit den Beteiligten führte: NABU, BUND, Imker, Vogelschützer, Forst, Landwirte, Botaniker, Jäger, Streuobstwiesenretter und Geopark-Mitarbeiter holte er ins Boot. Sie sind eingebunden in den Prozess der Biodiversitätskonferenz, die über 150 aktive Naturfreunde im Januar in Mörlenbach zusammenbrachte. Der LPV „war durchgängiges Thema bei allen Diskussionsforen“, erinnert sich der Landratskandidat.
Im Prozess steckt „unheimlich viel ehrenamtliches Engagement“, freut sich Krug. „Jetzt gilt es die ersten Früchte einzusammeln und Ergebnisse zu erzielen.“ Dieses Mal soll es klappen. Denn die Gründung eines LPV wurde 2015/2016 schon einmal auf politischer Ebene angestoßen, scheiterte aber. Der jetzige Prozess nach dem „Bottom-up-Prinzip“ macht eine Realisierung in 2021 realistisch, betont der SPD-Landratskandidat.

Volker Knaup hob hervor, dass ein Landschaftspflegeverband wichtige Aufgaben übernehmen kann, die bislang zu wenig Beachtung fanden. Er nannte unter anderem Erhalt und Pflege einer naturnahen Kulturlandschaft in ihrer regionaltypischen Ausprägung, den Aufbau von Biotopverbundsystemen oder die Erhöhung der Wertschöpfung regionaler landwirtschaftlicher Produkte.

Knaup weiß: Dem freiwilligen Naturschutz ist es nicht möglich, solche umfassenden Aufgaben zu übernehmen. Deshalb muss seiner Ansicht nach dieser sehr wichtige Bereich des Landschaftserhalts neu aufgestellt werden. „Wir gründen Sportvereine und Wandervereine. Warum nicht auch einen Verband, der sich professionell um den Erhalt und die Förderung der Natur für unsere Nachwelt einsetzt?“, stellte der Lorscher in den Raum.

Michael Helbig sah einen LPV im Odenwald eher kritisch. Denn hier gibt es keine Probleme mit Verbuschung wie im Ried, schilderte er. Kleine Flächen werden unter der Hand weitergegeben und bewirtschaftet, so der Bürgermeister. Sorgen macht ihm eher, dass Flächen an industrielle Betriebe verpachtet werden, die dann mit großem Gerät Gülle ausbringen und die Feld- sowie Waldwege malträtieren.

Martin Schaarschmidt kennt durch seinen Beruf die Chancen, die ein solcher Verband für Natur, Landwirte und Mitgliedskommunen, aber auch für Naturschutzvereine und Bevölkerung vor Ort mit sich bringen kann. Deshalb sollte man diese „auch im Kreis Bergstraße unbedingt nutzen“, um die Kulturlandschaft gemeinsam mit allen beteiligten Akteuren zu erhalten und zu entwickeln. Er berichtete sehr anschaulich aus der Praxis über die vielfältigen Möglichkeiten eines LPV für unseren Kreis.

Laut Sebastian Glaser ist es ein Irrglaube, „in unserer vom Menschen geprägten Umwelt wäre Artenvielfalt und Umweltschutz einfach durch Nichtstun zu erreichen“. Biodiversität zu erhalten oder gar zu fördern bedeutet harte Arbeit, machte er deutlich. „Die Landwirtschaft bringt sich gerne in einen LPV ein“, signalisierte Glaser. Sie kann davon profitieren, in dem sie die professionelle und maschinelle Landschaftspflege übernimmt.

Simone Häfele erläuterte die Bedeutung der Weidetierhaltung für die Landschaftspflege: unter anderem geht es um Offenhaltung der Landschaft, Vernetzung verschiedener Biotope und dabei Transport von Pflanzen-Samen oder Strukturierung der Flächen durch Selektion beim Fraß. Der Idealfall ist für die Viernheimerin das Zusammenwirken von Beweidung und maschineller Pflege, etwa bei der Erschließung von sehr verbuschten Flächen oder der Nachpflege im Anschluss an Beweidung. Dabei wäre die Koordination durch den LPV sehr praktisch und hilfreich.

In den ersten Kreiskommunen wird bereits auf politischer Ebene der LPV angeregt und diskutiert. Neue finanzielle Förderungen über das Land machen die Gründung eines LPV auch aus finanzieller Hinsicht so attraktiv wie nie. „Ein LPV im Kreis unterstützt den ehrenamtlichen Naturschutz, kann Kommunen bei ihren Aufgaben entlasten, bietet Landwirten und Weidetierhaltern neue Betätigungsfelder und schafft am Ende einen großen Mehrwert für die Biodiversität und damit für unsere Gesellschaft“, zeigt sich Krug zum Ende optimistisch im Hinblick auf den weiteren Prozess im kommenden Jahr.