Livestream des SPD-Landratskandidaten Karsten Krug mit Fachleuten zum Thema Pflege.

„Es geht um eine der Zukunftsfragen für uns alle“, betonte SPD-Landratskandidat Karsten in seinem Livestream: die Frage, „wie wir eine menschenwürdige Pflege in der Zukunft ermöglichen können“. Das Thema betrifft ältere, hilfsbedürftige Personen, Familienmitglieder, Freunde und Bekannte gleichermaßen. Krug bezeichnete die Kräfte in der Pflege und im medizinischen Bereich als die „wahren Helden des vergangenen Jahres“, denen er hohen Respekt zollt und vielmals dankt.

Der Kandidat Krug will als Landrat neue Schwerpunkte setzen, zum Beispiel durch die Einrichtung eines Sozialbüros. Für die Diskussion vor dem Bildschirm hatte sich er sich kompetente Fachleute eingeladen: Florian Gottstein, Mitarbeiter in der Intensivpflege, Sven Wingerter, bei DGB und Verdi im Kreis Bergstraße aktiv, Federica Hampe, Mitarbeiterin beim Pflegedienst Schäfer, und Petra Ries, Pflegedienstleitung bei der AWO Bergstraße. Im Kreis gibt es laut Krug über 11.000 Leistungsempfänger im ambulanten und stationären Bereich. Über 6000 sind hiervon über 80 Jahre alt und mindestens im Pflegegrad 2. Seit 2003 sind die Zahlen um über 60 Prozent gestiegen, führte er aus. Im ambulanten Bereich gab es seinen Worten zufolge eine Fast-Verdoppelung von rund 1500 auf 2861 Personen. Im stationären Bereich ging es hoch von knapp 2000 auf 2514 Personen. Welche Rolle der Kreis hier übernehmen kann, ist für den SPD-Landratskandidaten einerseits überschaubar, andererseits „aber auch nicht ohne“. Aktuell wurde ein zweiter Pflegestützpunkt geschaffen. „Wir sind Förderer der Altenpflegeschule im Kreis“ und Ansprechpartner bei gewünschten und/oder notwendigen Umbauten und Förderungen im häuslichen Umfeld, erläuterte er.

Ein neu zu schaffendes Sozialbüro könnte Krug zufolge zentrale Anlaufstelle für alle Fragen bezüglich Leistungsgewährungen im Sozialgesetzbuch (SGB) sein. Denn aktuell müssen sich Rat Suchende selbständig informieren, welches Amt zuständig, ob und wann der Mitarbeiter erreichbar ist. „Für viele, gerade für sozial Schwächere, ist dies eine oftmals große Hemmschwelle“, weiß er.
Der Kandidat plädiert für eine zentrale, bürgerserviceorientierte Anlaufstelle im Sinne eines „Front Office“. Dieses soll die Anliegen aufnehmen und an die zuständige Stelle in der Kreisverwaltung weiterleiten. „Nicht der Bürger wird weitergeleitet, sondern sein Anliegen“, hob er hervor. Auch im Bereich der Mobilität soll es Krug zufolge weitere Verbesserungen geben, „gerade im ländlichen Raum, gerade in der Barrierefreiheit“.

„Um den Bedarf an professionellem Pflegepersonal decken zu können, muss der Beruf attraktiver werden“, betonte Sven Wingerter. Die Beschäftigten sind enormen physischen und psychischen Belastungen ausgesetzt. „Überlastung treibt Beschäftigte in Teilzeit oder ganz aus dem Beruf“, sagte er. Deshalb ist seinen Worten zufolge eine dem tatsächlichen Bedarf gerechte gesetzliche Personalbemessung notwendig. Auch braucht es eine bessere Bezahlung für das Pflegepersonal, die dieser qualifizierten, verantwortlichen und anstrengenden Arbeit wirklich gerecht wird, forderte er. „Doch viele Einrichtungen privater Träger verweigern ihren Beschäftigten oftmals Tarifverträge“, monierte Wingerter. Deshalb braucht es für ihn flächendeckende Tarifregelungen, die für alle Einrichtungen verpflichtend sind. Die Pflegeversicherung deckt nur einen Teil der pflegebedingten Kosten ab, so der DGB-Vorsitzende im Kreis Bergstraße weiter. Der Rest muss über Eigenbeiträge aufgebracht werden. „Wir brauchen deshalb eine solidarische Pflegegarantie“, so sein Appell. Dafür ist die Einführung einer solidarischen Bürgerversicherung notwendig, in die alle entsprechend ihres Einkommens und unabhängig von der Einkommensart einzahlen. Umgekehrt müssen alle Leistungen für eine bedarfsgerechte Pflege garantiert von der Pflegeversicherung abgedeckt werden, lautete Wingerters Forderung.

Petra Ries wies auf den akuten Fachkräftemangel hin. Sie versucht in ihrer Tätigkeit, möglichst viel Büroarbeit und Administration von den Pflegefachkräften fernzuhalten, erklärte sie. Mobile Pflegedienste sollten höhere Wertschätzung erfahren, forderte Ries. Insbesondere sollte dies bei der Frage der Priorisierung von Impfungen geschehen, so ihr Wunsch.

Federica Hampe vermisste eine Gleichbehandlung der Pflegekräfte in ambulanten und stationären Pflegediensten. Sie würde sich impfen lassen, ging sie auf die aktuelle Diskussion ein. Hampe betreut bis zu 180 Personen in der ambulanten Pflege, erläuterte sie.

Florian Gottstein kam über den Zivildienst in die Pflege, schilderte er. „Pflege ist Berufung“, so seine Aussage. Geld ist für ihn zwar nachrangig, „aber Wertschätzung ist wichtig“. Gottstein möchte daneben, dass „mit den Pflegekräften gesprochen wird und nicht über sie“.