SPD-Landratskandidat Karsten Krug sprach mit Fachleuten im Livestream über die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum.

Bezahlbarer Wohnraum: An dem mangelt es in den Städten schon seit vielen Jahren. Inzwischen werden Wohnungen sogar auf dem Land knapp. Für den SPD-Landratskandidaten Karsten Krug stellt sich die Frage, „wie wir zusätzlichen bezahlbaren Wohnraum schaffen können“, wie er in seinem Livestream deutlich macht. Darüber hinaus ging es ihm aber auch um grundsätzliche soziale Fragen und Herausforderungen „und wie wir diese angehen sollten“.

Wie immer bei seinen Online-Gesprächen hatte Krug eine Reihe von kompetenten Fachleuten vor den Bildschirm geholt. Gernot Jakobi war lange Jahre Vorstand der Wohnbau Bergstraße und ist heute bei den Christophorus-Wohnheimen aktiv. Burghard Klatt ist Vorsitzender der Flüchtlingshilfe Heppenheim, Georg Spilger ist Vorsitzender des Kreis-VdK mit über 11.000 Mitgliedern. Tobias Lauer agiert als Leiter des Diakonischen Werks Bergstraße. Außerdem dabei: Marius Schmidt, derzeit Fraktionsvorsitzender der SPD Lampertheim, ab 1. Februar Erster Stadtrat.

Im Kreis gab es 2018 noch 1795 geförderte Wohnungen, erläuterte Krug einleitend. Anfang des Jahrtausends waren es aber noch knapp 4000. Mehr als die Hälfte ist somit aus der zeitlich befristeten Bindung herausgefallen, erklärte er. „Somit ist das Angebot knapper geworden“, bedauerte er, aber durch steigende Mieten in der Region wurde die Nachfrage größer. Zuständigkeiten gibt es dem Kandidaten zufolge nicht einseitig beim Land, beim Kreis oder bei der Gemeinde. Es bedarf seiner Ansicht nach eines guten Zusammenwirkens, aber auch und vor allem des politischen Willens aller Ebenen, um etwas zu verändern. „Diesen Willen bringe ich mit“, betonte Krug. Er strebt daher nach der Wahl die Bildung einer Allianz für bezahlbares Wohnen im Kreis an.

„Keine Sonntagsreden halten, sondern Ziele und Maßnahmen festlegen“, lautet die Maxime des SPD-Landratskandidaten. „Wir benötigen Flächen und wir benötigen Zuschüsse, damit bezahlbares Wohnen auch bezahlbar realisiert werden kann“, erläuterte er. Das hört sich zwar recht einfach an, „aber es bedarf an einigen Stellen noch der Überzeugungsarbeit“. Hier will Krug als Landrat klare Zeichen setzen. Weiterhin geht es dem Kandidaten auch um grundsätzliche Fragen der sozialen Standards. Er nannte unter anderem die Einrichtung eines Sozialbüros, das als zentrale Anlaufstelle für alle Fragen bezüglich SGB-Leistungsgewährungen dient. Keiner muss sich selbst auf die Suche begeben, welches Amt zuständig ist. Denn das ist, weiß er, „für viele – gerade für sozial Schwächere – eine oftmals große Hemmschwelle“. Die Maxime lautet für Krug: Nicht der Bürger wird weitergeleitet, sondern sein Anliegen.

Darüber hinaus, so sein Anliegen, muss auch eine Sozialplanung ins Leben gerufen werden, die die Bedarfe ermittelt „und unsere Ressourcen effizient einsetzt“. Die Frage heißt zum Beispiel: Wie viele bezahlbare Wohnungen müssen denn wo überhaupt entstehen?
Gernot Jakobi als ausgewiesener Experte für Wohnungswirtschaft sprach sich für neue Konzepte, kleinere Wohneinheiten und standardisierte Bauten aus, die schnell und ohne große Genehmigungszeiten für zusätzlichen Wohnraum sorgen. Auch Regionen wie der vordere Odenwald sollten mehr in den Fokus rücken, forderte er.

Burghard Klatt kam durch seine Tätigkeit als Vorsitzender der Flüchtlingshilfe mit den Schwierigkeiten in Berührung, die Migranten bei der Suche nach bezahlbarem Wohnraum haben. Durch seine Mitarbeit in nach Lösung suchenden Arbeitskreisen hat er sich in den vergangenen zwei Jahren intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. Klatt plädierte dafür, die massenhaft vorhandenen Wohnungsleerstände abzubauen. „Bezahlbares Wohnen ist für mich ein Grundrecht“, hob er hervor. Darüber hinaus ist er ein Verfechter der Idee, mit Tinyhouses kurzfristige Wohnungsengpässe beseitigen zu können und ist bei der Umsetzung auf der Suche nach einem Projektpartner.

Der Kreis-VdK begrüßt die Idee eines Sozialbüros, so Vorsitzender Georg Spilger. Das würde vielen, gerade älteren Bürgern helfen, die aktuell nicht wissen, wohin sie sich wenden sollen. Aus Sicht des VdK fehlt es vor allem an barrierefreien Wohnungen, auch im Odenwald, sagte er. Spilger sieht weiter durchaus Chancen, dass eine Wohnungstauschbörse interessant und erfolgreich sein kann.

Tobias Lauer wies darauf hin, dass noch immer weniger Sozialwohnungen neu gebaut werden, als Bestandswohnungen aus der Preisbindung herausfallen. Während Bund und Länder die Fördermittel in den vergangenen Jahren deutlich erhöht haben, hapert es bei der Umsetzung auf der kommunalen Ebene, kritisierte er. Betroffen sind seiner Kenntnis nach nicht nur Menschen im Transferleistungsbezug, sondern ebenso viele mit geringeren bis mittleren Einkommen und Renten. Die Anzahl derer, die in Wohnungsnot geraten, „steigt seit Jahren im Landkreis kontinuierlich an“, so Lauer.

Lampertheim realisierte in den vergangenen zwei Jahren zahlreiche neue Bauprojekte im Bereich des bezahlbaren Wohnens, so Marius Schmidt. Die Stadt schuf dafür eigene Zuschussrichtlinien sowie das Projekt „Clevermieter“ mitsamt günstigen Rahmenbedingungen. „Das zeigt sozialdemokratische Handschrift“, so sein Credo.